Umberto Eco und die Bibliothek

Name der Rose (1980):
Zitate von Borgès: Labyrinth etc. aber auch Foucault/Intertext:
Adson (S.366):
"Bisher hatte ich immer gedacht, die Bücher sprächen nur von den menschlichen oder göttlichen Dingen, die sich außerhalb der Bücher befinden. Nun ging mir plötzlich auf, dass die Bücher nicht selten von anderen Büchern sprechen, ja, dass es mitunter so ist, als sprächen sie miteinander. Und im Lichte dieser neuen Erkenntnis erschien mir die Bibliothek noch unheimlicher. War sie womöglich der Ort eines langen und säkulären Gewispers, eines unhörbaren Dialogs zwischen Pergament und Pergament? Also etwas Lebendiges, ein Raum voller Kräfte, die durch keinen menschlichen Geist gezähmt werden können, ein Schatzhaus voller geheimnisse, die aus zahllosen Hirnen entsprungen sind und weiterleben nach dem tod ihrer Erzeuger? Oder diese fortdauern lassen in sich?"

"De biblioteca" (1981)
"Eines der Missverständnisse, die den allgemeinen Begriff der Bibliothek beherrschen, ist die Vorstellung, dass man in die Bibliothek geht um ein bestimmtes Buch zu besorgen, dessen Titel man kennt. (...) Die Hauptfunktion einer Bibliothek (...) ist die Möglichkeit zur Entdeckung von Büchern, deren Existenz wir gar nicht vermutet hatten, aber die sich als überaus wichtig für uns erweisen." [zit. n. Büttner 2006 (in Hauke u.a.) ohne S.]
WD konstatiert, dass sich vieles verbessert hat: nur in der neuen Form der digitalen Bibliothek (als Portal) werden wieder die gleichen Fehler gemacht.

  • Hollender, Martin: Die besondere, optimale Bibliothek Umberto Ecos - und warum sie nicht zu verwirklichen ist. In: Die besondere Bibliothek oder: Die Faszination von Büchersammlungen, hrsg. v. Antonius Jammers, Dietger Pforte und Winfried Sühlo, München: Saur, 2002, S. 275-294.
Eine Exegese aus der Sicht der Staatbibliothek, die Eco auf der ganzen Linie bestätigt, dass die Bibliothek benutzerfeindlich sein muss!